Gruppenausstellung

NEUE PERSPEKTIVEN

 

Verdichtung und Wandlung

Zu den einzelnen künstlerischen Positionen der Ausstellung

 

Der Künstler Steffen Fischer ist in der Ausstellung mit scheinbar unterschiedlichen Ansätzen angetreten, um seine Perspektiven zu verdichten. Der bei Dresden lebende und arbeitende Künstler beschäftigt sich mit Themen der Zeitgeschichte, Ikonen der Pop- sowie Massenkultur. Große Medienereignisse des Informationszeitalters gehören seit 9/11 zu seinem Repertoire. In seinen Werken stellt er die Frage nach der Veränderbarkeit von Bildinformationen. Denn im WWW werden sie zu namenlosen Memes, Bilder ohne Referenzen ohne Urheberschaft, und doch erkennt der Betrachter sofort die Zusammenhänge ohne jedoch den Wahrheitsgehalt von Bild- und Textinformation nachhaltig nachprüfen zu können. Allerdings haben Thomas Drakes oder die Enthüllungen seines Whistleblower-Nachfolger Edward Snowdens das Bewusstsein für das Ausmaß medialer Bildstrategien und Sicherheitsregime geschärft – bisweilen ohne nennenswerte Ergebnisse. Doch genau hier hakt Steffen Fischer ein und stellt vergleichende Untersuchungen – wie in dem Bild Septemberhimmel - zwischen Persönlichkeiten der Zeitgeschichte und massenmedialen Ereignissen, wie 9/11 sowie im hier und jetzt, an. Im Gegensatz dazu haben seine sehr grafischen und gestischen Malereien auf den ersten Blick nichts mit diesem Ansatz gemein. Doch bei genauerer Betrachtung findet eben Zeitgeschehen auch im Privaten statt. Es ist unser voyeuristischer Blick, der uns Normen und Werte, manchmal auch tief verborgene Geheimnisse zwischenmenschlicher Beziehungen im digitalen Zeitalter offenbart.

 

Die Dresdner Künstlerin Anett Bauer verfolgt eine andere Strategie. Ihre Werke überschreiten klassische Formate. Regeln und Konventionen werden dadurch gebrochen. Dafür nutzt sie Arbeitsweisen der Streetart und des Graffiti. Einfache geometrische Formen werden aus Pappe geschnitten, als Schablone auf einen beliebigen Untergrund gelegt und mit Sprühfarbe verfüllt. Das ist einfach wie effektiv. Dabei ist es unerheblich, ob beim Abheben der Schablone Farbe unabsichtlich mit entfernt wird, sich der Lack in Fadings mit der umgebenen Struktur überlagert. Gerade diese unkonventionelle Herangehensweise machen die von ihr geschaffenen Wesen so reiz- und geheimnisvoll. Doch die Künstlerin imitiert nicht nur irgendeine Graffiti-Attitüde, sondern sie erobert mit ihren Chimären den öffentlichen Raum zurück. Inmitten von S-Bahn Aufgängen, Hauseingängen in verlassenen Wohnungen und Off-Spaces entstehen beinahe mystische Wegmarkungen, die den Betrachter an eine ethnographische Entdeckungsreise erinnern. Sie können aber auch als eine Art ironischen Gegenentwurf für das von Reklame und Werbung durchsetzte alltägliche Leben verstanden werden. Eine ihrer subversiven Messages könnte lauten: „Reclaim your brain“. Mit ihren bunten Hydren überzeugt die Künstlerin groß und klein von einem Leben, das abseits von Clickhypes, Mainstream und dem Fame in der Kunst wunderbare Überraschungen bereithält.

 

Ein Stück weit weg vom unmittelbaren Aufgreifen und verdichten von Perspektiven, verarbeitet Heidrun Pfalzgraf ihre ganz eigene Welt. Nach eigenem Bekunden versucht sie das Weltgeschehen vor ihrer Staffelei vollkommen auszublenden. Dabei wird es still um sie. Was allein zählt, ist der Klang der Farbe, mit dem sie originäre Bildwelten entstehen lässt, die ganz ohne Bildtitel auskommen – freie Assoziationen ohne narrative Vorgaben an den Betrachter sind so möglich.

Sich frei machen, neue Wege suchen und sich nicht allein an einem Format festhalten, interessieren die Malerin aus Celle. Ganz besonders fällt dies in ihren großformatigen Bildern auf, dort entledigt sie sich sogar des Rahmens. Die gestischen Ausführungen ihrer Bildpraxis werden  unmittelbar spürbar. Die sehr grafischen Arbeiten Heidrun Pfalzgrafs greifen Details ihres Kolorits auf und nehmen den Betrachter mit auf eine Reise in viele kleine, weit entfernte Mikrokosmen. Lässt man sich darauf ein, wird man mit den Malereien gemeinsam Zeuge innerer Stimmungen, die kaleidoskopartig neue Sphären zu eröffnen vermögen.

 

„Ich bin Zigeuner“ steht auf einem der  Fotomontagen von Vivien Vanessa Bebic´. Kein geringerer als Pablo Picasso hält das Schild mit dieser Botschaft. Das bemerkenswerte Statement ist so schlicht und tiefgründig zugleich. Der Sinn dahinter wird dem Betrachter nicht unmittelbar offenkundig. Die Hamburger Künstlerin spielt jedoch sowohl auf ihre eigene bosnisch- herzogowinische Herkunft, als Teil einer ethnischen Minderheit, als auch den Umstand an, dass der berühmteste Maler des 20. Jahrhunderts ebenfalls Roma gewesen ist. Doch dies ist nur ein kleiner Teil der selbstreflexiven Arbeiten der Künstlerin in der sie selbstbestimmt ihre positiv und negativ aufgeladene Umgebung einlädt, Teil ihrer Perspektiven zu werden. Um dies zu erreichen, verlässt Vivien Vanessa Bebic, die Pfade empirischer Selbstvergessenheit unserer Gesellschaft. Mystische Landschaften entstehen, in denen sich Erinnerungen und energetisch aufgeladene Wellen überlagern und in selbst arrangierten Bildrahmen eingefangen werden. Unübersehbar ist allerdings auch eine gesellschaftspolitische Kritik, die in ihren Arbeiten ablesbar wird und auf die sie, nicht ganz selbstverständlich, mit ihrer positiven Ausstrahlungskraft reagiert.

 

Anke Peters, verfolgt einen ganz ähnlichen Ansatz, wobei die Gemeinsamkeit zwischen der Künstlerin Vivien Vanessa Bebic und ihr im Interesse einer alternativen Geisteshaltung gemessen am Mainstream entspricht. Die Malereien der Dresdner Künstlerin gestalten sich vielfältig, wie ihr Wissen über Kultur, Politik und Gesellschaft, die einem manchmal den Blick für das Wesentliche, wie in ihrer „Secret-Serie“, verstellen. Das Ansinnen, Systeme aufzubrechen, liegt in den Tiefen ihrer abstrakten Werke. Deren grelle Farbigkeit ist das Ergebnis eines prozesshaften Arbeitens, indem die Malerin auf ihre eigenen kraftvollen Impulse adäquat und präzise reagiert. Visuelle Informationen werden jedoch nicht allein in ein knallbuntes, plakatives Bonbon verpackt. Denn universelle Formen und Zeichen, ergänzen die senkrechten Formationen ihrer „Secret-Serie“ und bestätigen eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Alltäglichen. Denn gemessen an der Emission neuer Arbeiten der Künstlerin könnte man beinahe von einem Tagebuch als Bild sprechen. Immer wieder schreibt Peters mit Farben neue Kapitel hinzu, es ist ihr Erfahrungsschatz den sie mit dem Betrachter teilt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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